Dienstag, 4. Dezember 2007

erste Fotos aus Tallinn


noch kurz vor der Abfahrt nach Helsinki und Nachtruhe: Tallinn...die zu rettenden Fotos warten noch auf einen glänzenden Einfall

short news, a few images


Auf dieser Reise gab es einiges, das mir/uns offenbar nicht erspart bleiben sollte, nachdem in Vilnius ja bereits die Tastatur versagt hatte, das Touchpad von Beginn an nicht mehr wollte, gab jetzt die größere der beiden Fotospeicherkarten den Geist auf, so dass 178 Bilder von heute morgen in Tallinn gemacht habe, wahrscheinlich pfutsch oder nur mit viel Aufwand noch zu retten sind. Darüber hinaus bedeutet das, dass ich mit einer 512 MB-Karte nach 148 Bildern wieder ins Hotel zurück muss, um die Fotos auf dem Rechner zu sichern. Naja, da wir kurz vor dem Ende der Reise sind, ist es wenig sinnvoll, hier in Tallinn mühselig eine Shoppingmall mit Technikmarkt zu suchen, weil so etwas - wie in den anderen Städten auch - nur außerhalb der wunderschönen Altstadt zu finden ist.

Tallinns Altstadt ist, als ob wir in mittelalterliche Filmkulissen versetzt wurden, die Fotos von heute nachmittag stelle ich hier ein.

Bilder von der Insel Saaremaa gibt es hier.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Vom Ende der Welt: Kap Kolka

Bilder von der Insel Saaremaa, wo wir heute noch sind, bevor es morgen weiter gen Tallinn geht: hier



kostenloser Counter




Nach anderthalb Tagen Riga, die mir zu kurz waren, und die Tina ausreichend fand, aber nur, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, packten wir – nunmehr routiniert – das Auto und fuhren in Richtung Jürmala. Der Marco-Polo-Reiseführer verhieß uns ebenso wie der Lonely-Planet Vielversprechendes. „20 km vor den Toren Rigas liegt die Ostsee – und der Badeort Jürmala (60.000) Einwohner. Ein kleines Städtchen, das bereits zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jhrdt. von den Rigaern als eleganter Badeort entdeckt wurde. Die verspielten Holzhäuser in den Stadtteilen Dzintari, Dubulti und Majori sind noch ein Relikt aus jener Zeit und werden heute zu Höchstpreisen gehandelt. Die Leute locken der feinsandige weiße Strand, der sich mehr als 30 km entlang der Küste erstreckt, das flache Wasser und die lange Flaniermeile.“ (Marco-Polo-Reiseführer, sorry, für das seltsame Deutsch)

Über eine Brücke, die gesäumt wurde von einem unsäglich hässlich-modernen Erlebnis- und Spaßbadkomplex, fuhren wir erwartungsvoll in Jürmala ein und machten uns auf die Suche nach dem Beschriebenen. Als wir in den ersten Ortschaften eher erschreckend verfallene, hinfällige Holzhäuschen fanden, die – wie so oft schon auf der Reise gesehen - durchsetzt mit all den hässlichen russischen Wohnblock-Dreigeschossern, die natürlich ebenfalls ausgesprochen baufällig und heruntergewirtschaftet sind, fanden, entschlossen wir uns in den als ältesten und angeblich schönsten Ort auf Jürmala zu fahren: Dubulti.
Doch auch hier: ja, es stimmt, hin und wieder sahen wir wunderschöne, liebevoll gestaltete Holzvillen, aber wir können uns nur schwer vorstellen, dass auch die reichen der Riganer Unsummen für ein Haus ausgeben, das vielleicht schön ist, aber dessen Wert eindeutig durch eine verwahrloste Nachbarschaft geschmälert wird. Sollten sich in den nächsten zwei Jahren genügend Investoren finden, die in Jürmala die großen, teils völlig ausgebrannt und bis auf die Skelette ausgeräumten Hotelklötze, abreißen und genug Geld in die Ortschaften fließt, um die wertvolle Bausubstanz der Holzvillen zu retten, dann machen die Jürmalaischen Orte sicher bald anderen Ostseebädern Konkurrenz.
Bisher aber waren wir jedenfalls sehr enttäuscht, selbst, wenn wir der Gerechtigkeit halber immer dazu sagen, dass wir im Winter hier sind und sicher im Sommer einiges durch angenehmere Temperaturen und blühende Gärten verharmlost wird. Dennoch würden wir eher Kap Kolka als Reiseziel empfehlen.
Das Kap erreichten wir über einen Umweg und durch einen orkanartigen Schneesturm, der uns plötzlich bei Talisi im Landesinneren überraschte, erst spät abends und völlig erledigt.

Kolka bildet die nördliche Spitze Lettlands und reckt das Kapkinn gen Estlands größter Insel Saaremaa, auf der wir uns zur Zeit befinden. Nachdem wir wirklich kaum noch die Straße vor dem Autobug erkennen konnten, die Straße im Nu von zentimeterhohen Schneewehen eingeengt wurde und es ja ohnehin immer bereits gegen vier Uhr stockfinster ist (wir liegen hier eine Stunde vor Deutschland in der Uhrzeit und hatten schon mehr als einmal das Gefühl, eigentlich immer nur halbe Tage zur Verfügung zu haben), wollten wir eigentlich nur noch in irgendein Hotel. Wir hätten wohl unter diesen Umständen auch mit einer beheizten Fischerkate vorlieb genommen, aber es gab außer dieser plötzlich endenden Asphaltstraße und dem beginnenden Schotterweg durch einen noch düstereren Nationalpark nichts und niemanden.
Heilfroh, dass die wenigen Radiosender uns nicht im Stich ließen und uns mit angenehmer Chillout,- dann wieder Achtziger-Jahre-Musik aufbauten, heilfroh auch, dass wir dem Wechsel der Sprachen folgen durften: Russisch, Lettisch, Litauisch, teilweise eine englisch-lettländische Predigt eines Gospelpriesters uns immer wieder daran erinnerten, es gab noch etwas außerhalb des Dickichts und dem Ende der Welt, auf das wir hinzuzufahren schienen.

Überhaupt sind die Radiosender hier einen kurzen Einschub wert: Bis auf wenige Ausnahmen in Estland waren wir fast immer sehr zufrieden mit der Mischung an Musik, an Werbeeinblendungen, die viel kürzer und weniger reißerisch als bei uns sind, und mit den Stimmen der Moderatoren und Moderatorinnen. Sie haben angenehme, nicht mit Bässen unterzogene Stimmen und sind offenbar nicht unter 22, wie das häufig bei unseren Privatsendern der Fall zu sein scheint, wo die Zuhörer permanent geduzt werden und kaum noch die deutsche Grammatik beherrscht wird. Natürlich verstehe ich hier nur ausgewählte Worte und kann mir über die angewandte Sprachgewandtheit kein Urteil erlauben, aber alles in allem waren wir selten genervt und nur in Lettland wechselten wir ab und an den Sender, weil wir mit Headbangingmusik und Heavy-Metal nichts anfangen können.

So, nun aber zurück in die Nacht am Kap; Tina schrieb dazu: „Letzte Ausfahrt Kap Kolka“

...man sollte es gesehen haben, dieses Kap, denn es ist wirklich einsam, besonders und wahrscheinlich nicht nur im Winter gespenstisch gut. Selbst, wenn unser ausgefallenes Erlebnis in einem filmreifen Set und einem Holzhotel Marke nordischer Eigenbau-Ikea-Verschnitt einzigartig und nur im Winter zu erleben ist, die Landschaft des Kaps, die Strände und selbst die stinkende Fischfabrik im Sonnenaufgang sind einen Besuch absolut wert.

Tinas Schilderung der Hotelsuche lautet folgendermaßen: „Angekommen in Kap Kolka, weit und breit kein einziges Hotel oder Guesthouse in Sicht, nur dann endlich auf der Hauptstraße, ein Supermarkt. Carola schickte mich hinein, um zu fragen, wo es denn hier irgendeine Unterkunft gäbe, immerhin hatte ich im Reiseführer gelesen, dass mindestens zwei im Ort verfügbar seien. O.k., einer davon fiel flach, ich hatte überlesen, dass es der Campingplatz war. Aber die andere Option würde doch wohl zu finden seien.
Im Supermarkt, der glücklicherweise auch in einem kleinen Ort wie diesem bis 22 Uhr geöffnet hatte, bekam ich von der Kassiererin die Antwort, sie spreche kein Englisch. Ich versuchte es mit Zeichensprache, legte meinen Kopf zu Seite. Eine Zwölfjährige sprang stolz als Dolmetscherin ein, sie sagte, ja, natürlich, es gebe doch direkt nebenan das Hotel, die Zimmerschlüssel seien doch bei der Kassiererin. Es stünden eine deluxe-suite und ein Standard-Zimmer zur Wahl. Kurz entschlossen griff ich zur besseren Wahl und nahm die deluxe-Variante.“

Und schon wurde uns geholfen, wir hatten Zimmer Nummer 12, am Ende des Ganges ein Zwei-Zimmer-Appartment mit sehr niedrigen Sesseln an einer riesigen Kierfenholztafel, einer leeren und damit fast unsinnigen Kiefernschrankwand sowie eine gut funktionierende Elektroheizung. Der Riesenfernseher strahlte mindestens drei deutsche Programme aus, davon hatte Tina den Vorteil, „das perfekte Dinner“ und eine Diätshow sowie eine Auswanderserie schauen zu können.

Ich saß unterdessen im Schlafzimmer auf einem Schemel an einer Art Schreibtisch und versuchte mich an einem der früheren Reiseberichte. So, wie ich heute an einer Art Damenkosmetiktischchen in einem wunderbaren SPA-Hotel namens Rose in Kuresaaree (auf der Insel Saaremaa) sitze und über schon wieder Vergangenes schreibe.

Zu guter Letzt, denn es ist schon wieder gegen 22 Uhr und ich muss noch hinunter in die Hotellobby, um den Internetempfang zu nutzen, das Baltikum ist ganz sicher jede Reise wert, aber tut Euch selbst einen Gefallen und nehmt Euch ein wenig mehr Zeit als nur zwei Wochen, denn, wenn Ihr/Sie wirklich alle drei Staaten kennenlernen wollt, braucht Ihr/Sie mindestens vier Wochen.

Rückblicke: von der Nehrung in Richtung Riga


kostenloser Counter



Im Bericht geht es hier noch einmal Zurück aufs Festland: Von der Kurischen Nehrung nach Riga

Obwohl wir schon in Estlands Norden gelandet sind, zur Zeit sitzen wir bereits auf Saaremaa, der größten Insel des Landes, schreibe ich da weiter, wo ich unlängst wegen der allzu schnellen Weiterreise abgebrochen habe. Wir haben Nida nur ungern so schnell den Rücken gekehrt, der Hund hätte sicher auch gern noch ein paar tage in den weitläufigen Dünen und an menschenleeren Stränden umhertoben mögen.

Doch da wir noch zwei Länder und mehrere zu besichtigende Orte auf unserer Liste hatten, hieß es gleich nach dem Frühstück in unserer Lieblingsbäckerei aufbrechen, um die Fähre gegen elf Uhr zurück nach Klaipeda zu nehmen. Da wir den Seehafen und die Altstadt Klaipedas (ehemals Memel) ja bereits vor dem Abstecher auf die Kurische Nehrung besichtigt hatten, warfen wir einen letzten Blick auf die Angler am Fluss Dane und fuhren dann schnurstracks auf die gut ausgebaute Straße nach Riga. An der Strecke, kurz hinter Siauliai, besichtigten wir in Eiseskälte den Berg der Kreuze, über den ich ja bereits weiter unten schon schrieb.
Wie immer gäbe es zu jedem einzelnen Ort noch viel zu schreiben, aber ein Blogg eignet sich doch eher nur für eine Art Skizze, wer sich tatsächlich für eine eigene Baltikumreise oder Hintergründe zu den einzelnen Orten interessiert, mag gern hier Anregungen finden und dann im Netz gezielt weitersuchen. Wir planen nach unserer Rückkehr auf jeden Fall einen detaillierten Serviceteil und Hinweise zu den getesteten Hotels, Pensionen und Guesthouses. Es wird eine übersichtliche Fotoshow aus den Regionen und Städten geben. Für diese Feinarbeit bleibt uns während der Reise natürlich keine Zeit und vielleicht ist es ja auch nicht verkehrt, die Eindrücke erst mit einem gewissen Abstand zum Erlebten wiederzugeben.


Dennoch seien an dieser Stelle ein paar Kleinigkeiten eingefügt, die uns bisher aufgefallen sind: Ein klares Vorbild für Deutschland könnte das Baltikum in Sachen Rauchfreiheit sein, hier scheinen die Regierungen viel strikter und klarer ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden und allen Restaurants, Cafes, usw. durchgesetzt zu haben. Eine Regierungsbeamtin aus Riga erzählte mir, es sei von einem Tag auf den anderen das Gesetz geltend gemacht worden und jeder hält sich daran, ohne lange Diskussionen.
Wir hatten über die Art der Menschen in den jeweiligen Ländern ziemliche Debatten, weil Tina die Litauer lieber mochte als die Lettländer, während ich mir darüber kein Urteil erlauben mag. Ich fand beide Nationalitäten freundlich und reserviert, sicher nicht selten auf die – doch vorhandenen – Sprachbarrieren zurückzuführen und ich habe auch andere Gespräche geführt, weil Tina mehr für den Übernachtungspart zuständig ist. Das heißt, sie erlebt oft genug die Skepsis, wenn sie fragt, ob wir irgendwo mit dem Hund bleiben können. Während ich in Riga ein Interview mit oben erwähnter Regierungsbeamtin führen durfte, noch dazu in entspannter Clubatmosphäre und diese Begegnung mit einer Lettin ganz ungezwungen erlebte. Gut, zugegeben, ihre Eltern stammen aus Weißrussland, sie hat also durchaus ein gemischtes Erbe, wie sie selbst bestätigte.

Zurück zur Reise: Der Berg der Kreuze mag in wärmeren Temperaturen auch Nichtgläubigen wie uns mehr Freude am Entdecken bieten, uns war einfach nur furchtbar kalt, allein die Kamera zu bedienen schien nach einer halben Stunde trotz anbehaltener Handschuhe eine Herausforderung, so klamm fühlten sich Hände, Füße und Nasen an.


Jugendstil pur: Riga

Eine nicht allzu wetterverhagelte und auch nur mäßig vernebelte Fahrt brachte uns dann hinein in die, von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannte Jugendstil-Metropole: RIGA. Weil wir zu müde waren, um lange zu suchen, hatte Tina entschieden, das erstbeste Hotel der Mittelklasse zu spendieren, wir wurden vom Liftboy samt unserer – etwas unpassenden Gepäckstücke (um genau zu sein, Plastiktüten mit Hundefutter und Futternapf) – in unsere Suite gebracht. Natürlich fragt sich jeder praktisch Veranlagte jetzt vielleicht, warum wir die Tüten nicht einfach später geholt haben? Tja, wir hätten das nur zu gern an der noblen Lobby vorbeigeschmuggelt, nur mussten wir unser Auto sofort leer räumen, weil der Boy das Hoftor wieder verriegeln musste. Also hieß es, das Hundegepäck mit Fassung an der Rezeption vorbeizutragen als wären es Cartierkoffer.


Riga und der Jugendstil bedürfen eines eigenen Bloggs oder zumindest ganz vieler Fotos, weil ich während der Spaziergänge durch diese unfassbar detaillierte, kleinteilige und liebevolle Architektur, immerzu nur die Kamera im Anschlag haben konnte und denken, wie sich das wohl anfühlt, ein einer solchen Stadt, beziehungsweise Stadtteil zu leben, denn der Rest von Riga ist natürlich wie die meisten Städte: ein aus den Nähten platzender Moloch, der zich – bezahlbarere – aber eben wenig ansehnliche Vorstädte gebiert, in denen sich wahrscheinlich das eigentliche Leben der Rigaer abspielt, die ganz normal mit dem Bus zur Arbeit fahren, weil sie, wie mir meine Interviewpartnerin verriet, sich die enormen Parkgebühren in der Stadt und die Mieten oberhalb von 500 Euro für eine Ein-Zimmer-Mietwohnung monatlich nicht leisten können. Dieser Mietbetrag von 500 Euro bezieht sich auf eine Vorstadtwohnung und die Frau, die aus Sparsamkeitsgründen mit dem Bus fährt, ist immerhin Regierungsbeamte im Erziehungsministerium.

Leider funktionierte auch im Superhotel der Wireless-LAN-Zugang trotz extra erstandener Karte nicht in unserem Zimmer. In der Business-Lounge genannten kleinen Kammer im 5. Stock bot man uns zwar zwei online-Computer zur kostenfreien Nutzung an, aber da ich zu viele Bilder und Texte uploaden wollte, nutzte mir das Ganze nur wenig. Die WiFi-Card versagte auch dort oben ihre Dienste, der einzige Ort, wo der Provider latteve.com uns anerkannte, war das Hotelrestaurant. Und selbst dort hatte ich morgens Probleme, die restlichen 180 min der gekauften drei Stunden surfend abzugelten, der Zugang fiel mitten in einer Sitzung aus und wollte das Passwort und den bisherigen Benutzernamen nicht wiedererkennen. Trotz Passwortspeicherung, wohlgemerkt, also Tippfehler ausgeschlossen.
An der Rezeption begegnete man mir freundlich und mit dem wenig brauchbaren Hinweis, ich solle den Provider anrufen und ihm mein Problem persönlich schildern. Ich glaube sogar, das Telefonat wäre aufs Haus gegangen, aber bei meinem Zeit- und Arbeitsproblem hätte es nicht wirklich weitergeholfen, also habe ich stattdessen eine neue Karte gekauft und siehe da, es funktionierte wieder.

Warum schreibe ich so ausführlich darüber? Von Riga sagen, denke ich, die Bilder mehr als lange Beschreibungen, und die Zugänglichkeit des Internets ist ja auf Reisen an sich ein nicht mehr auszuklammerndes Thema, zumindest nicht, wenn man sich darauf verlegt, Reiseberichte und Webgalerien statt Postkarten zu schreiben bzw. zu senden.

Bis wir nach Estland einreisten, war der Internetzugang wirklich nicht immer ganz problemlos zu bekommen, Problemchen wie eben beschrieben wurden auch durch zeitweise gar keinen Internetaccess getoppt. Litauen Und Lettland sind aber dennoch ganz im Trend, es gibt zumindest in jeder größeren Stadt die eine oder andere Option, in Klaipeda beispielsweise hätte ich beim litauisch-lokal agierenden Provider Zebra einen Einwahlcode bekommen können, nur hätte ich das per SMS organisieren müssen und das wird dann mit einem deutschen Handy vielleicht doch relativ umständlich und möglicherweise auch teuer. Je nördlicher wir kommen, desto einfacher, denn hier auf Saaremaa muss ich nur eine Etage tiefer in einen hässlichen, aber funktionalen Wireless-LAN-Raum gehen im auch sonst wenig luxuriösen oder gar nicht modernen, dafür aber superteuren Hotell Arabella (kein Tippfehler).

Freitag, 30. November 2007

Estlands Winter: zuerst in Tartu entdeckt


Wir sind nach einer relativ unspektakulären Fahrt von ca. 180 km in Estland gelandet, die Zällnerin oder Grenzerin warf einen amüsierten Blick auf den "sein" Auto verteidigenden Hund, kontrollierte im Gegensatz zu ihren Kollegen neben den Ausweisen auch die Fahrzeugpapiere und schwupp erwartete uns eine wunderschöne Winterlandschaft. Estland bisher, wir sind jetzt im Südosten, in der Universitätsstadt Tartu, hat wirklich alles aufgeboten, was eine im winterlichen Norden Europas erfreuen kann: Die Stadt ist so hübsch, der Schnee ist blütenrein (wär ich ein Wessi, vergliche es mäöglicherweise mit der Perwollwäsche;))) und bestimmt einen halben Meter hoch. Bisher sind uns die Leute außerordentlich freunlich und weniger zurückhaltend begegnet als bisher - wobei wir da auch unterschiedliche Einschätzungen vornehmen. Dazu und zu vielem anderen später mehr.

Hier ein paar erste Eindrücke Die Bilder des Tages.


Die Live Webcams - auch aus Tartu - sind hier zu checken, wenn Ihr also noch näher bei uns sein wollt, klickt hier.

kostenloser Counter


Donnerstag, 29. November 2007

Kurische Nehrung, Nida, auf den Spuren Thomas Manns




Wir danken dem Trescherverlag für die freundliche Unterstützung und die Genehmigungzur Kartennutzung

kostenloser Counter

Weblog counter


An dieser Stelle sei endlich der lang verschobene Bericht vom Abstecher auf die Kurische Nehrung gepostet. Auf der oben abgebildeten Karte lässt sich vielleicht etwas besser nachverfolgen, welche Strecken wir in Litauen gewählt hatten.

Die Nacht in einem sehr schönen, nicht ganz billigen Guesthouse in Klaipeda (vor der eigentlichen Fahrt auf die Sanddünen der Nehrung) war auch wieder etwas unruhig, weil gleich nebenan der wohl angesagteste Jazz- und Bierclub der Hafenstadt residierte und so: Ihr ahnt es, der Wachhund hatte einiges zu tun;) Am nächsten Morgen noch ein kurzer Stadtbummel, in Klaipedas Altstadt scheint in jeder noch so kleinen Kopfsteinpflastergasse gebaut zu werden, so entflohen wir dem Lärm recht bald gen Fähre. Die Autofähre ist recht einfach zu finden, sie ging – anders als im Flyer beschrieben, öfter als jede 1 ½ Stunden, aber das mag nach Tageszeit variieren.

Kaum waren der Hund ich an der Reling eine Brise eisiger Wintermeeresluft schnuppern, so setzte die Fähre auch schon wieder zum Ankern an. Am Eingang zum ersten Ort der Nehrung: Juodkrante, hieß es, ein Eintrittsticket zu kaufen und dann verleitete uns auch schon gleich der Wald und die Entdeckung der Meerseite zum Spaziergang. / siehe Bilder Kurische Nehrung (http://picasaweb.google.com/antaralain/KlaipedaUndKurischeNehrungLITAUEN)

„Die Kurische Nehrung ist ein 98 km langer Landstreifen (bzw. Halbinsel) zwischen Klaipėda (dt.: Memel) und Lesnoje (deutsch: Sarkau), von dem heute 52 km zu Litauen und 46 km zu Russland gehören. Sie trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Die Nehrung besteht ausschließlich aus Sand mit riesigen Wanderdünen, die in den vergangenen Jahrhunderten, nach der Abholzung in der frühen Neuzeit, immer wieder Ortschaften unter sich begruben. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es dem Düneninspektor Wilhelm Franz Epha, die Dünen zu bepflanzen und zu stabilisieren. Die Große Düne bei Nidden (litauisch Nida), eine der größten Dünen Europas, wird auch die ostpreußische Sahara genannt.

Die breiteste Stelle der Nehrung mit 3,8 km befindet sich beim Bulvikio ragas (Bullwikscher Haken), vier Kilometer nordöstlich von Nidden. Die schmalste liegt bei der Siedlung Lesnoje (deutsch: Sarkau, litauisch: Sarkuva) und ist 380 m breit.

Bei Klaipėda befindet sich eine etwa 300 m breite Verbindung zwischen diesen Gewässern. Im Jahr 2000 wurde die Kurische Nehrung von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Benannt ist die Kurische Nehrung nach dem Volksstamm der Kuren. Der litauische Teil der Kurischen Nehrung wurde zum Nationalpark Kuršių Nerija, der russische zum Nationalpark Kurschskaja Kossa erklärt. Im Mai 2006 verbrannten über 200 Hektar Kiefernwald im nördlichen Teil der Nehrung.“ (zitiert aus Wikipedia)

Was all diese Daten, für deren Veröffentlichung ich dem Wikipedia-Autor sehr dankbar bin, nicht sagen, ist die individuelle Schönheit dieser Landschaft. Im Thomas-Mann-Museum, der sich ein Sommerhaus auf der Nehrung hatte bauen lassen, las ich einen wunderbaren Text über das Licht und die Farben, die Stimmungen, über diese Landschaft, die es dem Zauberberg-Dichter offenbar sehr angetan hatte.

Mann schrieb: "Man findet einen erstaunlich südlichen Einschlag. Das Wasser des Haffs ist im Sommer bei blauem Himmel tiefblau. Es wirkt wie das Mittelmeer. Es gibt dort eine Kiefernart, Pinien ähnlich. Die weiße Küste ist schön geschwungen, man könnte glauben in Nordafrika zu sein."

Was hätte der Vater von Erika und Klaus Mann erst geschrieben, wenn er im Winter hier gewesen wäre? Natürlich sind die Lichtverhältnisse und die Gegebenheiten bei Minusgraden ganz andere als ich sie im Netz immer wieder von begeisterten Touristen geschildert finde. Aber grad die Menschenleere, die andere Stille haben diese zwei Tage und Nächte zu etwas ganz Außergewöhnlichem für uns werden lassen. Sicher hat uns dies auch den Vorteil eingebracht, dass uns die wenigen geöffneten Kaffees, Restaurants und Pensionen nicht wegen des Hundes den Zutritt verweigerten. Im Misko Namas, wo wir – zwar eng begrenzt – aber dafür herzliche Aufnahme fanden, gab es sogar einen dieser Hofhunde, die allerdings keinen sozialen Kontakt mit anderen Hunden gewohnt sind, sondern eben wie fast alle Hunde, die wir bisher getroffen haben, allein zum Bewachen der Grundstücke eingesetzt werden.

Wir hatten in Nidas neben dem prächtigen Vollmond, den wunderbaren, oft beschriebenen Dünen und einem leckeren Fischrestaurant das Vergnügen, in einer wunderbaren Bäckerei jeden Morgen vorzüglichen Kaffee zu trinken und den selbstgebackenen Kuchen probieren zu dürfen, dabei konnte ich fast ungestört arbeiten und Tina seltsam anmutende Werbesoaps mit Laiendarstellern auf einem riesigen Flachbildschirm genießen zu können. Das Thomas-Mann ist überaus liebevoll gestaltet und die Dame am Empfang beriet uns mit ihrem selbsterlernten Deutsch ganz vorzüglich. Wälder, Dünen und Leuchtturm untermalten diese zwei Tage in nicht sagbarer Schönheit. Bilder, die versuchen, das Ganze einzukreisen, sind hier zu sehen.



Sigulda short


Bevor es mit dem lang versprochenen Reisebericht weitergeht, hier ein paar Bilder aus dem schneeverwehten, taunassen Sigulda.
Bilder von unserem Guesthouse und gestern nacht, sind hier zu sehen.

"Sigulda (deutsch: Segewold) ist eine Stadt im Norden Lettlands mit 10.603 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005), ca. 50 km nordöstlich von Riga. Sie liegt am Fluss Gauja (deutsch: Livländische Aa) und im Nationalpark Gauja. Sigulda ist als Wintersportort bekannt. In der Region um Sigulda (Lettische Schweiz) befinden sich die einzigen nennenswerten Erhebungen Lettlands. Es wurden schon Rodel- und Bob-Weltmeisterschaftsläufe dort veranstaltet.

Zugleich ist Sigulda aufgrund seiner schönen Lage an der Gauja ein wichtiger Naherholungsort für die Rigenser.

Aufgrund seiner bewegten Geschichte gibt es in der Umgebung von Sigulda eine Reihe Burgen und Schlösser, von denen die restaurierte Burg Turaida die wichtigste ist. Sie ist von einem Skulpturenpark und Freilichtmuseum, dem Volksliederpark umgeben.



kostenloser Counter